Viele Studenten, wenig Lehrende und gar kein Platz

Fragt man in diesen Tagen die Studenten an der Uni Trier, wie sie ihre Lernsituation mit einem Satz beschreiben würden, werden nicht wenige mit „Viele Studenten, wenig Lehrende und fast gar kein Platz“ oder zumindest so ähnlich antworten. Es gibt immer Proteste der Studierenden, die sich gegen überfüllte Hörsäle richten.
Die Fachschaft Pädagogik hat sich mit 3.000 Postkarten an den Präsidenten der Uni Trier gerichtet. Auf diesen Postkarten haben die Studenten ihre Beschwerden verbalisiert. Gleichzeitig wurden diese Karten eingescannt und an das Bildungsministerium in Mainz verschickt. Die Fachschaft Pädagogik versucht auf diese Weise darauf hinzuweisen, dass die Hörsäle in den Vorlesungen komplett überfüllt sind.
Zudem gründete man einen runden Tische, zu dem sich Vertreter der Studierenden und der Fachschaft Pädagogik mit der Universitätsleitung trafen. Die Fachschaft Pädagogik fordert vor allem, dass die Stellen für Lehrkräfte aufgestockt werden. Der Präsident der Uni Trier wies dies entschieden zurück. Er erklärte, dass dies aus finanziellen Gründen einfach nicht umsetzbar sei. Zudem vertrete er die Auffassung, dass dies den Umstand, dass die Uni Trier überfüllt ist, nicht wirklich lindern könnte. Gleichzeitig stellte die Leitung der Uni Trier in Aussicht, dass es eventuell möglich sein könnte, den Pädagogen eine C3- Professur in Aussicht zu stellen. Dies wies die Fachschaft wiederum zurück. Im kommenden Januar soll der nächste runde Tisch tagen.

Das grundsätzliche Problem der Bildungspolitik

Längst sind überfüllte Universitäten kein Problem mehr, das nur die einzelnen Hochschulen betrifft, sondern eine Thematik, die durch den aktuellen Wandel in der Bildungspolitik vorangetrieben wird. Immer mehr Schüler erreichen das Abitur und damit die Zulässigkeit, eine Hochschule zu besuchen. Aus diesem Grund wachsen die Studentenzahlen deutlich schneller als das Stellenangebot der Universitäten. Hier muss grundsätzlich angesetzt werden.
Auch wenn die Proteste der Studenten der verschiedenen Universitäten zum Teil angemessen erscheinen, muss man sich auch einmal die Zeit nehmen, die Gegenseite zu betrachten. Viele Universitäten bieten zulassungsbeschränkte Studiengänge an. Je nachdem, in welcher Art und Weise man die Beschränkung gestaltet, kann man den späteren NC beeinflussen. Ist das Studienfach stark beschränkt, erhält man unweigerlich einen höheren NC. In der Regel haben Studenten, die einen solchen hohen NC erreichen, auch später einen hohen Lernstandard. Wenn Studienfächer allerdings nicht zulassungsbeschränkt sind, müssen auch mehr Studenten aufgenommen werden. Im Grunde sind überfüllte Hörsäle zum Teil ein Zeichen für die Gleichstellung der Schulabsolventen. Nimmt man nun das Beispiel der Uni Trier muss man von folgenden Situationen ausgehen. Viele Studenten geben an, dass sie auch nach Trier gekommen sind, weil sie einen schlechteren Abiturschnitt haben und deshalb an anderen Universitäten nicht angenommen wurden. Wenn man dies im Hinterkopf hat, muss man auch überlegen, ob dann der Uni Trier ein Vorwurf gemacht werden kann, dass die Hörsäle zum Teil überfüllt sind. Vielmehr erfüllt die Hochschule hier auch eine Aufgabe als Auffangbecken. Gut ausgelastete Hörsäle wird man in der Regel immer nur mit einer Beschränkung erzielen. Wenn man dies aber durchzieht, könnte dies für viele potenzielle Studenten bedeuten, dass sie überhaupt keinen Studienplatz finden und nur über Wartesemester eine Möglichkeit finden, einen Platz an einer Hochschule zu bekommen. Aus diesem Grund sollte man bei Studentenprotesten auch immer wieder fragen, was die Konsequenz ihrer Forderungen sein könnte. Natürlich muss man auf lange Sicht dafür sorgen, dass es genug Studiumsplätze in Deutschland gibt.

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