Karl Marx kann zweifellos als eine der prägendsten und kontrovers diskutierten Persönlichkeiten des Weltgeschehens des 19. Jahrhunderts angesehen werden. Geboren 1818 im heutigen „Karl-Marx-Haus“ haben sein umfangreiches Schaffen und seine revolutionären Theorien nicht nur zu seinen Lebzeiten für immenses Aufsehen gesorgt sondern haben einige der bedeutendsten historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts begleitet (Stichwort „Kalter Krieg“) und haben bis in die Gegenwart hinein tiefgreifende Spuren und eine in Teilen gespaltene Weltgemeinschaft hinterlassen.
Der 1818 geborene Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Ökonom zählt zusammen mit Friedrich Engels zu den wegweisenden Ideologen des wissenschaftlichen Sozialismus sowie des Kommunismus und kritisierte in seinen Werken vornehmlich die Herrschaft der bürgerlichen und kapitalistischen Gesellschaft. Mit seinem Magnum Opus „Das Kapital“ (1867) übte er harsche Kritik an der gängigen politischen Ökonomie, rückte den fundamentalen Gegensatz von Bourgeoisie (Klasse der Kapitalisten) und Proletariat (Klasse der Arbeiter) in den Blickpunkt der Interesses und bereitete damit ideologisch den Aufstieg der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie in Deutschland vor.
Geboren im heutigen Karl-Marx-Haus: Triers berühmtester Bürger.

Geboren im heutigen Karl-Marx-Haus: Triers berühmtester Bürger.

Karl Marx und die Stadt Trier

Karl Marx erblickte als Kind einer bürgerlichen, jüdischstämmigen Familie in Trier das Licht der Welt. Nachdem er seine Kindheit in seiner Geburtsstadt verbrachte, ging Marx ebenfalls in Trier auf das hiesige Gymnasium, wo er 1935 das Abitur ablegte. Für sein Studium, zunächst in Bonn, verließ der spätere Philosoph dann erstmals seine Heimatstadt für einen längeren Zeitraum. Das zur Marx‘ Jungendzeiten katholisch geprägte Trier wurde nach dem Wiener Kongress 1815 dem Preußischen Königreich zugesprochen, das zu großen Teilen unter Einfluss des Protestantismus‘ stand. Diese Begebenheit bedeutete in der Folge für die Trierer Bevölkerung einen Zustand geistiger und politischer Unterdrückung, die mit einem ökonomischen Niedergang der Stadt einherging, der sich wiederum in der Verhinderung eines freien Weinhandels, in hohen Schutzzöllen und einem hohen Steuerdruck ausdrückte. Diese repressive Grundsituation einer wirtschaftlichen Notlage und der zunehmenden politischen Spannungen ließen in Trier erste linksrevolutionäre Bewegungen, die gegen die preußische Regierung gerichtet waren, aufkeimen. Diesen Strömungen konnte sich auch der junge Karl Marx nicht entziehen. Die Lage in seiner Heimatstadt war somit zu einem guten Stück daran beteiligt, was aus dem jungen Karl Marx später werden sollte. Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums der Geisteswissenschaften und dem Beginn seiner beruflichen Karriere als Journalist bei der Rheinischen Zeitung in Köln begann sich Marx, während er sich ausführlich mit der ökonomischen Situation der Trierer Gegend befasste, verstärkt mit humanistischen und basisdemokratischen Grundwerten sowie mit Fragen der Armutsbekämpfung und der Sozialökonomie auseinanderzusetzen.

 

 

 

Karl Marx in Trier erleben – Das Karl-Marx-Haus

Wie gezeigt werden konnte, hat die Stadt Trier einen großen Einfluss auf das Denken und Schaffen Karl Marx‘ ausgeübt. Diese Bedeutung spiegelt sich bis in die Gegenwart im Stadtbild wieder, in der der Gesellschaftstheoretiker an einigen Stellen noch immer zugegen ist und von Touristen und anderen Interessierten erlebt werden kann. Eine der historischen Stätte ist das Geburtshaus Marx‘ in der Brückenstraße 10, in dem er bis zum Umzug der Familie in die Simeonstraße, im Alter von einem Jahr, lebte, und welches zu einer beliebten Destination für Gäste zahlreicher Nationen geworden ist. Heutzutage beherbergt das Gebäude ein Museum der Friedrich-Ebert-Stiftung mit mehreren Ausstellungsräumen zum Leben und Wirken des Revolutionärs und zur Geschichte des Kommunismus‘in den ehemaligen Ostblockstaaten und in China. Das Karl-Marx-Haus mit der Dauerausstellung „Karl Marx (1818-1883), Leben – Werk – Wirkung bis zur Gegenwart“ wird jährlich von mehreren zehntausend Besuchern besichtigt, wobei Gäste aus China einen großen Anteil stellen. Für chinesische Touristen ist das Museum eine der Hauptattraktionen während ihres Deutschlandaufenthaltes. Eine weitere Sehenswürdigkeit stellt das Wohnhaus in der Trierer Simeonstraße 10 dar, in welchem Marx seine Jugendzeit verbrachte und an welchem heute eine Gedenktafel an den bekannten Bürger der Stadt erinnert. Vor der Porta Nigra wurde im Jahr 2013, einem Marx-Jubiläumsjahr, darüber hinaus, an prominenter Stelle in der Innenstadt, eine Installation des Künstlers Ottmar Hörl aufgestellt.

Bedeutung des Karl-Marx-Haus für den Trierer Tourismus

Dennoch bleibt das Verhältnis der Trierer zu ihrem berühmten Sohn ein äußerst zwiespältiges. So wird von Zeit zu Zeit etwa der Ruf nach der Umbenennung der namenspatronenlosen Universität Trier laut. Dieser immer mal wieder aufkeimende Vorschlag wird zumeist von heftigen Diskussionen unter der Bevölkerung, den Studenten und der Lokalpolitik begleitet und scheiterte schlussendlich bis heute immer wieder. Karl Marx ist bei Weitem nicht die einzige Berühmtheit, die von Vertretern der Stadt mit Trier in Verbindung gebracht wird. Als Persönlichkeiten von Rang werden etwa auch Ambrosius von Mailand (339–397) und Caspar Olevian (1536–1587) ins Feld geführt. Das Hauptaugenmerk legt der lokale Tourismus zudem eher auf die antike römische Geschichte rund um das UNESCO-Weltkulturerbe der Porta Nigra, des Amphitheaters oder der Kaiserthermen sowie auf die einzigartige Tradition als älteste Stadt Deutschlands. Zudem verfügt Trier über eine reichhaltige Anzahl an Baudenkmälern aus der Zeit des Mittelalters, wie allen voran der Dom St. Peter und das Gebäudeensemble um die Steipe am Trierer Hauptmarkt. Die Sehenswürdigkeiten mit Bezug zu Karl Marx reihen sich dabei insgesamt betrachtet in das überaus reichhaltige touristische Angebot der Stadt Trier, mit Zeugnissen vieler historischer Epochen und von großem historischem Wert, ein.

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