Schuhe die das Herz begehrt

Trier – die bedeutenste Stadt im Römischen reich, neben Rom selber. Denn hier stehen gewaltige römische Bauwerke wie die Kaiserthermen, die Römerbrücke oder die Porta Nigra. Augusta Treverorum, so nannte man die älteste Stadt Deutschlands zu Zeiten Kaiser Konstantins, war sogar zeitweise die Hauptstadt der Römer. Doch die Stadt hat auch für all jene etwas zu bieten, die sich nicht für die Antike begeistern können – aber dafür für Schuhe. Nicht umsonst nennt man Trier heute auch „Schuhstadt“. Doch wie kam der Name zustande? Wieso soll eine Römerstadt auch eine Schuhstadt sein? Diese und weitere Fragen klären wir heute.

Wieso ist Trier als Schuhstadt bekannt?

Trier bietet einiges für Schuhliebhaber – in allen Formen, Farben und Größen. So gibt es allein in der Fußgängerzone knapp 30 reine Schuhläden. Wenn man also einen Einkaufsbummel durch alle Schuhläden in der Fußgängerzone machen möchte, sollte man einen ganzen Tag dafür einplanen. Denn man verbringt dann etwa sechs Stunden in den Schuhgeschäften. Da ist die Auswahl natürlich auch entsprechend groß. Allerdings bleiben die Wege hier auch relativ kurz, denn oft liegt ein Laden in direkter Nachbarschaft zum Nächsten.
Die Läden liegen allerdings nicht nur in der Trierer Fußgängerzone, es gibt auch zwischen der Matthias-Basilika und dem Verteilerkreis einige Anlaufstellen für Kunden. Hier stehen allein 35 reine Schuhgeschäfte, außerdem noch 25 weitere Betriebe, die Schuhe nur als „Nebenprodukte“ verkaufen.
Neben den zahlreichen Geschäften gibt es aber auch „Erste Hilfe Stationen“ für den (Schuh-) Unfall. In der Dietrich- und der Neustraße, jeweils im Norden und Süden der Stadt, finden sich nämlich zwei Schuhmachermeister.
Es gibt außerdem noch einige Produzenten für Schuhe, oder wenigstens für Teile davon. So findet man zum Beispiel das Unternehmen „Romika“ hier vor, eine riesige Schuhproduktionsfirma der Josef Seibel Gruppe. Ebenso gibt es in der Neustraße die Firma „Rendenbach“.

Hier wird seit 1871 Bio-Leder für Schuhsohlen hergestellt und bis nach Amerika und Asien exportiert Das Leder ist sehr hochwertig, angeblich soll sogar Papst Franziskus Schuhe mit Sohlen aus diesem Leder tragen. Zusätzlich liegt auch der Hauptsitz des „Schuhhaus Poss“ in Trier. Das Unternehmen betreibt heute vier Läden und stellt per Handarbeit Spezialschuhe und Einlagen her. Neben Schaugeschäften aller Art haben sich in Trier auch einige reine Kinderschuhläden etabliert.

Welche Schuhe werden in Trier produziert?

Der Hauptproduzent für Schuhe in Trier ist „Romika“. Dort werden allerdings nicht alle Arten hergestellt, hier entstehen nur Haus- und Sportschuhe, zusammen mit Gummistiefeln. Aber das sind nicht die einzigen Schuhe, die in Trier geschaffen werden. Denn das „Schuhhaus Poss“ zum Beispiel fertigt Spezialschuhe an. Außerdem werden hier auch einzelne Teile der Schuhe gefertigt, wie zum Beispiel das Leder für die Sohlen in der Firma „Rendenbach“ oder Einlagen beim bereits erwähnten „Schuhhaus Poss“. Doch die Schuhkäufer müssen nicht enttäuscht sein – verkauft wird hier jeder Schuh.

Die Geschichte der Schuhstadt am Beispiel „Romika“

In der Stadt der Schuhe müssen logischerweise auch die Schuhe eine Geschichte haben. Hier ein Beispiel: Romika.

Romika wurde am 29.12.1921 von drei Kaufleuten gegründet: Hans Rollmann, Carl Michael und Karl Kaufmann. Aus den jeweiligen zwei Anfangsbuchstaben ihrer Nachnahmen formten sie den Namen; Rollmann, Michael, Kaufmann. Daraus ergab sich Romika.
Das Unternehmen begann bereits 1922 die Produktion seiner Schuhe, es lag damals noch im Ruwertal. Die Inhaber bekamen jedoch schnell Probleme, denn Rollmann und Kaufmann waren jüdisch. Als Hitler dann 1933 an Macht gewann, wurde er schnell aufmerksam auf die Schuhfabrik.

Dadurch gab es mehrere Übergriffe auf die Firma. Doch der Nationalsozialismus hatte noch weitreichendere Folgen: Als publik wurde, dass zwei der drei Inhaber jüdisch waren, erhielten die Drei immer weniger Aufträge, verdienten also kaum noch Geld. Noch dazu kündigten viele der antisemitisch gewordenen Arbeiter. Das Alles erschwerte die Arbeit der Gründer enorm. Doch sie waren auch hoch verschuldet, denn die Finanzbehörden erhoben plötzlich hohe Steuernachforderungen. Die Verschuldung wuchs.

Neben klassischen Schuhgeschäften gibt es in Trier viele Spezialgeschäfte und Nischenläden

Neben klassischen Schuhgeschäften gibt es in Trier viele Spezialgeschäfte und Nischenläden

Nach tätlichen Angriffen auf die Inhaber oder deren Familien flohen die jüdischen Gründer Romikas ins Ausland. Die Familie Rollmann emigrierte mit drei Söhnen nach Belgien, Karl Kaufmann und seine Familie nach Israel. Ihr gesamtes Vermögen in Deutschland wurde von den Nazis beschlagnahmt, um die „Reichsfluchtsteuer“ zu begleichen. In Belgien bereitete die Familie Rollmann eine Emigration in die USA vor, doch bei einem Überfall deutscher Truppen auf Belgien nahmen sich Hans und Marie Rollmann 1940 das Leben.

Nach dem Krieg zu neuer Blüte

Nach der Einstellung der Produktion nahm eine Auffangfirma 1936 die Schuhherstellung im Ruwertal wieder auf, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Der angestellte Geschäftsführer Hellmuth Lemm führte später die Firma als Inhaber weiter.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus versuchten die Söhne Rollmanns und Karl Kaufmann, ihr Vermögen zurückzuerlangen. Diese Versuche schlugen jedoch zuerst fehl, denn die Gerichte behaupteten, dass Romika nicht durch eine „Arisierung“ konkursreif gemacht worden sei, da die antisemitischen Maßnahmen bis 1935/1936 noch nicht so weit fortgeschritten waren.

Als sich dann 1950 Hellmuth Lemm bereiterklärte, den beiden Familien eine Vergleichssumme zu zahlen, wenn diese im Gegenzug das Urteil des Landesgerichts Trier anerkannten, wurde der Prozess eingestellt.
In den 1960er Jahren war Romika unter Hellmuth Lemm am erfolgreichsten; es produzierte zwölf Millionen Paar Schuhe pro Jahr.
1994 stand das Unternehmen jedoch vor dem Konkurs und wurde daraufhin von dem ehemaligen Adidas-Vorstandvorsitzenden Rene C. Jäggi aufgekauft. Er entließ 600 von 800 deutschen Mitarbeitern und verlagerte die Produktion in großen Teilen ins Ausland.
Als aufgrund von Managementfehlern Romika 2004 Insolvenz anmelden musste, wurde die Firma Anfang 2005 von der Josef Seibel GmbH aufgekauft. Hier wurden allerdings von den 150 Mitarbeitern nur noch 80 übernommen.
Am 12.07.2007 erhielt Romika einen neuen Standort im Konversionsgebiet Trier-Nord. Hier entstanden Verwaltungs- und Lagergebäude, eine gläserne Schuhfabrik und ein Gastronomie-Betrieb mit Biergarten. Jetzt nannte sich das Unternehmen „Romika Shoes GmbH“.

Hat der Standort Trier eine Zukunft als Schuhstadt?

Trier gilt als Schuhstadt, diesen Titel wird die Stadt auch verteidigen. Allein mit seinen 65 reinen Schuhgeschäften hat Trier schon einen riesigen Schuhmarkt geschaffen, doch in der Schuhmetropole gibt es noch etliche Geschäfte, die Schuhe als Nebenprodukt verkaufen. Wenn Sie nur einmal diesen Aspekt betrachten, werden Sie sehen, dass Trier seinen Titel als „Stadt der Schuhe“ verdient hat. Doch in Trier liegen auch Schuhproduktionsfirmen, wie die Romika Shoes GmbH oder das Schuhhaus Poss. Wie Sie sich denken können, wird Trier seinen Titel wohl noch eine ganze Zeit lang behalten. Und sollte in Trier doch einmal ein Schuhhaus schließen, steht meistens das nächste bereit…

 

 

Bildquellen: Bigstock

 

 

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