Großregion Trier: DGB spricht von Niedriglohngebiet

Großregion Trier: DGB spricht von Niedriglohngebiet

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat sich in dieser Woche mit den Löhnen in der Großregion Trier auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass vielen Menschen aufgrund der niedrigen Löhne die Altersarmut drohen könnte. In der Großregion rund um Trier werden im bundesweiten Vergleich sehr niedrige Löhne an die Arbeitnehmer ausgezahlt.

Die Arbeitnehmer in der Großregion Trier müssen nach einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit sehr niedrigen Löhnen auskommen. Der DGB hat ermittelt, dass ein Vollzeitbeschäftigter in Trier einen Bruttolohn von ungefähr 2523 Euro monatlich aufweisen kann. Damit verdient ein Arbeitnehmer in der Großregion Trier rund 180 Euro im Monat weniger als die Vergleichsgruppen in anderen Regionen in Rheinland-Pfalz. Auch im Vergleich zu anderen Bundesländern verdienen die Menschen in Trier deutlich weniger Geld. Hier liegt der Unterschied bereits bei über 300 Euro monatlich. Die aktuellen Zahlen belegen die Einschätzung des DGB, der bei der Großregion Trier von einem Niedriglohngebiet ausgeht. Diese Erwerbsarmut hat zwar bereits in der Gegenwart direkte Auswirkungen, aber dennoch macht sich der Gewerkschaftsbund eher um die Zukunft Sorgen, denn die niedrigen Löhne könnten viele Menschen in die Altersarmut führen. Da das Rentensystem zu großen Teilen an die Lohnhöhe gekoppelt ist, hat ein niedriger Lohn, wie er in Trier üblicherweise gezahlt wird, zur Folge, dass die Beschäftigen wenig in die gesetzlichen Rentenkassen einzahlen können. Auf diese Weise werden sie im Alter auch nur eine geringe Rente erhalten. Auch die private Vorsorge ist bei Niedriglöhnen nur in einem sehr engen Umfang möglich.

Altersarmut entsteht primär aus Erwerbsarmut

Nach Berechnungen des DGB drohe bei einem Monatseinkommen von 2200 Euro bei Renteneintritt immer noch Sozialhilfebedürftigkeit, selbst wenn man 40 Jahre Rentenbeiträge gezahlt habe. Durch die geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent müssten Beschäftigte mit einem Einkommen von 2500 Euro im Monat 35 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um mehr als die Grundsicherung im Alter zu bekommen. Aus diesem Grund ist die Forderung der Deutschen Gewerkschaftsbundes klar: ein gesetzlicher Mindestlohn muss her!

Währenddessen haben die beiden Wirtschaftskammern in Trier den Vorwurf zurückgewiesen, dass die Großregion ein Niedriglohngebiet sei. Die schwachen Werte ließen sich auf den Umstand zurückführen, dass es in Trier und Umgebung kaum Industrie gäbe und diese in anderen Regionen Deutschlands der Motor für hohe Löhne sei.

Ein Problem von Gerechtigkeit und Wertvorstellung

Sowohl die Erwerbsarmut, als auch die Altersarmut sind Probleme, die in Deutschland in den letzten Jahren merklich zugenommen haben. Hinter diesen Problemen steht aber nicht nur die finanzielle Frage, die primär darauf abzielen muss, wie die Menschen im Alter leben sollen, sondern auch eine elementare Frage nach Werten in einer Gesellschaft. Können wir es zulassen, dass jemand, der 35 bis 40 Jahre nach Kräften solidarisch in eine Rentenkasse eingezahlt hat, dennoch nicht in der Lage ist, unbeschwert das Alter zu genießen? Stellen wir uns so eine gerechte, moderne Gesellschaft vor oder rühmen wir uns nicht immer wieder selbst, dass die Leistungen, die in Deutschland erbracht werden, auch entlohnt werden? Fragen auf die vor allem die Politik eine Antwort finden sollte, finden muss.

 

Niedrige Löhne in der Großregion Trier

In der Großregion werden müssen die Menschen mit niedrigeren Löhnen leben

In der Großregion Trier werden im Vergleich zu anderen Gebieten in Rheinland-Pfalz und Deutschland niedrigere Löhne bezahlt. Die hängt vor allem mit der Unternehmensstruktur zusammen, die hier vorherrscht. Es gibt kaum Großbetriebe und auch große industrielle Anlagen sind nicht vorhanden.

In der Großregion Trier werden nach den neuesten Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit im Vergleich zu anderen Gebieten sehr niedrige Löhne bezahlt. So besteht die Region fast keinen länderinternen Vergleich und auch bundesweit werden fast überall weitaus bessere Löhne bezahlt. Dies hängt, so wollen Experten wissen, vor allem mit der Unternehmensstruktur rund um Trier und in Eifel und Hunsrück zusammen. Es gibt kaum große, international agierende Unternehmen. Vielmehr ist die Unternehmenskultur von Familienbetrieben oder kleinen Firmen geprägt. Diese sind aber den saisonalen Wirtschaftsschwankungen stärker unterworfen als das bei diversen Großkonzernen der Fall ist.
Darüber hinaus fehlt in der Großregion Trier die Industrie. Chemische und metallverarbeitende Industrie gibt es im Prinzip keine. Diese Branchen sind es aber gerade, die meistens Gehälter über den Tariflöhnen bezahlen. Darüber hinaus ist die Region vor allem durch schlecht bezahlte Branchen, wie etwa den Einzelhandel, geprägt. Vor allem ein Blick auf die Statistiken der Frauen untermauert dies. Diese verdienen überdurchschnittlich wenig, sind aber am stärksten im Handel oder in der Gastronomie beschäftigt.
Letztlich spielt auch die Nähe zu Luxembourg eine Rolle. Gut ausgebildete Arbeitskräfte haben oftmals die Möglichkeit, in Luxembourg, wo außergewöhnlich hohe löhne bezahlt werden, zu arbeiten. Meistens wohnen diese zwar dann noch in Trier, pendeln aber täglich in das nahe Großherzogtum. Auf diese Weise werden viele gut ausgebildete Arbeitskräfte nicht in den deutschen Arbeitsmarkt in Trier, sondern in den luxemburgischen integriert.
Der mittlere Bruttomonatslohndurchschnitt lag in der Großregion Trier im Jahr 2010 bei 2540,20 Euro. Der des Landes Rheinland-Pfalz lag im Vergleich dazu bei 2703,50 Euro. Damit verdienten die Menschen im Schnitt 163 Euro weniger als der landesinterne Durchschnitt.