Rheinland-Pfalz: Niemand möchte das Einheits-Abitur!

Rheinland-Pfalz: Niemand möchte das Einheits-Abitur!

Erst vor einer Woche haben sich Bildungsminister der Bundesländer in Deutschland darauf verständigt, einen einheitlichen Abiturstandard einzuführen. Allerdings scheinen sowohl die Lehrer, als auch die Schüler eher skeptisch zu sein. Viele befürchten, dass die individuelle Förderung der Schüler in Zukunft nicht mehr möglich sein wird.

In der letzten Woche haben sich die Bildungsminister der Bundesländer darauf geeinigt, dass in Zukunft einheitliche Standards für das Abitur in der Bundesrepublik gelten sollen. Auf diese Weise sollen die Abiturabschlussprüfungen bundesweit vergleichbar gestaltet werden. Dennoch scheinen sowohl die Schüler, als auch die Lehrer zunächst kritisch auf diese Entscheidung zu reagieren. Statt Gleichmacherei wünschen wir uns individuelle Förderung und selbstbestimmtes Lernen“, lautet die Antwort von Julio Pires, Sprecher der Landeschülervertretung auf die Frage, was er sich von den kürzlich beschlossenen bundesweit einheitlichen Abiturstandards erhofft. Jedes Mal, wenn versucht worden sei, einheitliche Standards durchzusetzen, seien die Probleme danach größer gewesen als der vermeintliche Gewinn, sagt Pires. Zunächst haben sich die Bildungsminister darauf verständigt, dass die gleichen Lernanforderungen sich anfänglich auf die Kernfächer Mathematik, Englisch, Deutsch und Französisch erstrecken sollen. Gleichzeitig stellten die Bildungsminister aber auch deutlich klar, dass es kein Zentralabitur, wie das etwa in Frankreich üblich ist, geben wird. Derzeit haben 14 der 16 Bundesländer ein Zentralabitur. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen lehnt diese ab. Es gebe keinen Beleg dafür, „dass sie wirklich zu besserer Qualität in der schulischen Bildung führen“, sagt Ahnen im Interview.

Lehrer fordern Flexibilität

Die Lehrer in Rheinland-Pfalz sind sich derweil einig, dass es zwar einheitliche Abiturstandards geben müsse, diese dürften aber nicht zu einem Zentralabitur ausgebaut werden. Zudem fordern sie, dass die Flexibilität und der Ermessensspielraum für die Lehrer weiterhin erhalten bleiben müssen, damit sie angemessen auf die Schülerschaft des jeweiligen Jahrgangs reagieren können. Auch der Philologenverband, der die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt, ist gegen ein Zentral-Abitur. Es sei richtig und wichtig, einheitliche Bildungsstandards zu verankern, sagt Malte Blümke, Landesvorsitzender des Verbandes. Dennoch warnte der Vorsitzende das Land Rheinland-Pfalz davor, sein hohes Niveau in Bezug auf das Abitur abzugeben.

 

 

Bildungsreform in Deutschland: Vergleichbare Abituranforderungen in den Bundesländern

Bildungsreform in Deutschland: Vergleichbare Abituranforderungen in den Bundesländern

Das Thema Bildung ist seit Jahren Sache der Bundesländer und diese nutzen die Bandbreite, die die Handlungsfreiheit ihnen hier bietet, voll aus. Folglich entstand ein Ungleichgewicht in der Wertigkeit des Abiturs. Um dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen, haben der Bund und die Länder beschlossen, in den Kernfächern in Zukunft einheitliche Abiturprüfungen zu stellen.

Das Thema Bildung ist in Deutschland seit Jahren sehr umstritten. Es handelt sich hierbei um eine Kernkompetenz der Länder, die gerne alle möglichen Bandbreiten, die das politische Feld zur Verfügung stellt, ausprobieren. Auf diese Weise hat jedes Bundesland in Deutschland in den letzten Jahrzehnten ein eigenes Bildungssystem entwickelt. Folglich befinden wir uns in der Bundesrepublik derzeit in der schwierigen Lage, dass die Abiturprüfungen nicht mehr miteinander verglichen werden können. Es ist zur Normalität geworden, einen Abiturienten aus Bayern eher zu würdigen als jemanden, der sein Abitur in Bremen abgelegt hat. Dass es sich hierbei um einen Missstand handelt, scheint nun auch die Politik begriffen zu haben. Man ist fast geneigt, „Endlich!“ zu sagen und aufzuatmen. In Zukunft möchten sich die Bundesländer wieder stärker auf ein gemeinsames Konzept der Abiturarbeiten zumindest in den Kernfächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Französisch konzentrieren. Selbstverständlich geht es hierbei nicht darum, den Schulen ein „Abiturdiktat aufzuhalsen“, denn diese müssen immer noch auf regionale und schulische Gegebenheiten reagieren können. Aber es sollen verbindliche Leistungsanforderungen gestellt werden, die alle Schüer im Bundesgebiet in den vier Kernfächern erbringen müssen, um das Abitur erfolgreich zu erhalten. Doris Ahnen, die Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz, äußerte sich wie folgt zu diesem Balanceakt: „Sie definieren klare Leistungsanforderungen, lassen aber den notwendigen und wünschenswerten Spielraum für unterschiedliche pädagogische Konzepte und die konkrete Umsetzung im Unterricht“.

Schulreform 2014/2015 erwartet

Die Vorgaben für das Abitur in den Kernfächern sollen ab dem Schuljahr 2014/2015 in den gymnasialen Oberstufen gelten. Bei der Abiturprüfung im Schuljahr 2016/2017 würden sie erstmals bundesweit Grundlage der Abiturprüfungen sein. Dann soll auch ein gemeinsamer Pool von Aufgaben zum Einsatz kommen, aus dem sich die Länder bedienen. Doris Ahnen sieht in diesem Konzept vor allem sehr große Vorteile gegenüber dem Zentralabitur, das bundesweit zum Einsatz kommen soll. Ob sich diese Hoffnung zur Gewissheit erfüllen wird, muss in den nächsten Jahren abgewartet werden, wenn die ersten vergleichbaren Abituraufgaben gestellt wurden.