Das integrative Wohnprojekt Schammatdorf in Trier existiert schon seit über 30 Jahren und ist sehr erfolgreich. Das Dorf entstand aus dem Wunsch, ein Wohngebiet mit sozialen Zielen zu errichten. Auch preisgünstiger Wohnraum für alle sollte durch das Projekt möglich werden. Das Projekt entstand vor dem Hintergrund der zahlreichen Probleme im städtischen Wohnungsbau und sollte preiswertes Wohnen für alle möglich machen. Das Schammatdorf ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Sozialdezernats der Stadt Trier, der Abtei Sankt Matthias und der Wohnungsbau und Treuhand AG als Bauträger.
Schon 1979 konnten die ersten Bewohner die Siedlung auf dem Gelände der Benediktinerabtei einziehen. Heute leben hier 260 Menschen mit und ohne Behinderung. Neben der Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums war ein weiterer Grundgedanke, Menschen mit Problemen bei der Bewältigung des Alltags einen Lebensraum zu schaffen, in dem sie selbstständig leben können.

Ein Dorf in der Stadt mit 144 Wohnungen

Folgerichtig ist die Architektur im Dorf auf Kommunikation und Integration ausgerichtet. Es gibt sogenannte Hofnachbarschaften aus mehreren zueinander gruppierten Häusern. Jede Nachbarschaft hat einen eigenen „Hofsprecher„. Daneben gibt es ein Dorfzentrum mit Räumlichkeiten für gemeinsame Veranstaltungen. Das Schammatdorf Trier integriert Menschen unterschiedlicher Lebensorientierung und in verschiedenen Lebenslagen.

Heute leben hier Familien mit Kindern, ältere Menschen, Alleinerziehende, Studenten und Menschen mit Behinderung zusammen. Gute Nachbarschaft ist ihnen ebenso wichtig wie gegenseitige Unterstützung. Gibt es Probleme im Alltag, ist immer ein hilfsbereiter Nachbar erreichbar. Barrierefreiheit wird im Dorf auch durch komfortable Außenaufzüge gewährleistet. Auch sie erleichtern die gegenseitige Kommunikation. Anders als in anonymen Wohnblocks kommt es im Schammatdorf auf die gemeinsame Erweiterung des Erfahrungsschatzes an. Die Bewohner gestalten ihr Umfeld gemeinsam, unternehmen etwas zusammen, unterstützen sich gegenseitig machen es auch eingeschränkten Menschen leichter, selbstbestimmt zu leben.

Schammatdorf in Trier Süd

Schammatdorf in Trier Süd

Der Schammatdorf e.V. bildet die rechtliche Basis

Die Belange der Dorfgemeinschaft wurden durch die Gründung eines Vereins rechtlich untermauert. Jeder ist an der Weiterentwicklung des Gemeinwesens beteiligt. Der Verein wurde 1984 als Nachbarschaftsverein gegründet. Nach wie vor ist es das oberste Ziel, solidarisches Miteinander im Schammatdorf zu ermöglichen und zu vereinfachen.

Das Zusammenleben basiert auf demokratischen Grundprinzipien. Die vorrangige Aufgabe ist die Integration von behinderten und nichtbehinderten Nachbarn. Die Vereinsgremien stehen allen Bewohnern offen. Um sie in Anspruch zu nehmen, ist keine Vereinsmitgliedschaft notwendig. Der Vorstand besteht aus fünf gewählten und zwei geborenen Mitgliedern, dem Bürgermeister/der Bürgermeisterin sowie dem Vertreter der Abtei St. Matthias.

Auch das Minidorf hat eine Bürgermeisterin

Trotz aller Harmonie kommt auch diese Dorfgemeinschaft nicht ohne „Dorfobersten“ aus. Allerdings fehlen diktatorische Strukturen. Die Bürgermeisterin im Dorf ist erste Ansprechpartnerin und bei der Abtei angestellt. In dieser Funktion hat sie die unterschiedlichsten Aufgaben zu bewältigen. Sie kann bei persönlichen Problemen helfen, gibt Anregungen, schlichtet Streitigkeiten und vermittelt an andere unterstützende Personen oder Einrichtungen. Sie muss auch gewährleisten, dass im Wohndorf viele gemeinsame Aktivitäten stattfinden. Wohnungsbewerber müssen sich zunächst an die BürgermeisterIn wenden. Ist eine Wohnung frei gewordenen, wählt sie zusammen mit einem Beauftragten der Abtei St. Matthias mögliche Nachmieter aus. Diese werden der Baugesellschaft vorgeschlagen. Bei der Auswahl der Bewohner wird besonders viel Wert auf die Komplexität der Gruppe gelegt. Je vielfältiger sich die Bewohnergruppe zusammensetzt, desto besser.

Schammatdorfzentrum – auch für Außenstehende verfügbar

Das Dorfzentrum besteht aus einem Saal, einem kleinen Veranstaltungsraum und einer voll ausgestatteten Küche. Der barrierefreie und rollstuhlgerechte Versammlungsort kann für Veranstaltungen gemietet werden. Zwei weitere Gruppenräume und ein Gästezimmer mit drei Schlafgelegenheiten inklusive Dusche und WC machen die Räumlichkeiten auch für Fortbildungen mit kleineren Gruppen interessant.

Das Wohnprojekt hat promiente Bewohner

Eine der prominentesten Bewohnerinnen des Schammatdorfes ist Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Ihr Mann Klaus Jensen (ebenfalls SPD) ist Oberbürgermeister von Trier. Genau wie alle anderen „Mitstreiter“ hatten auch sie Lust auf Wohnen mit echter Nähe zu den Nachbarn. Mittlerweile leben Malu Dreyer und ihr Mann schon zehn Jahre im Schammatdorf. Familiäres Miteinander ist allgegenwärtig. Man kennt sich, daher wird auch das Politikerpaar hier nur mit Vornamen angesprochen.

Aufgrund des demographischen Wandels werden vorbildliche Wohnprojekte wie das Schammatdorf Trier immer wichtiger. Sie sind eine hervorragende Alternative zur klassischen Großfamilien und ermöglichen es auch alten Menschen, nach dem Verlust des Partners gemeinsam mit anderen zu leben, ohne auf ihre vertraute Selbstständigkeit verzichten zu müssen.

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