Beschönigte Besucherzahlen auf dem Nürburgring

Der Nürburgring in der Eifel in Deutschland gehört nichts zuletzt aufgrund der legendären Nordschleife zu den traditionsreichsten Rennstrecken dieser Welt. Ein rasanter Ritt durch die „Grüne Hölle“ lässt sowohl das professionelle Rennfahrerherz, als auch den Puls des Amateurrennfahrers deutlich schneller schlagen. Wer schon einmal selbst über den Nürburgring mit seiner Nordschleife gefahren oder zumindest als Beifahrer mitgefahren ist, der weiß wovon hier die Rede ist. Trotz der gesamten Tradition und all der Begeisterung, die sich in den letzten Jahrzehnten rund um den Nürburgring in der Eifel aufgebaut hat, macht die Rennstrecke in den letzten Jahren nur noch durch Skandale oder Vertuschungen in den Schlagzeilen der Tageszeitungen auf sich aufmerksam. Neben großer Nürburgring-Affäre und dem neu entstandenem Streit um die Austragung zukünftiger Formel 1 Rennen, wurde nun bekannt gegeben, dass die Besucherzahlen des Nürburgrings seit Jahren in eklatanter Art und Weise beschönigt worden sind.
So erstellte die Nürburgring GmbH, die übrigens zu großen Teilen in Länderhand liegt, 2009 eine Statistik ,die zwischen bezahlenden Gästen und den veröffentlichten Besucherzahlen unterscheidet. Die Unterschiede sind zum Teil so eklatant, dass man es kaum glauben mag. So wurden zum Beispiel bei dem Truck Grand Prix, der immer einer der größten und spektakulärsten Veranstaltungen auf dem Nürburgring ist, 2009 über 177.000 Besucher gezählt. 2008 sollen es sogar noch einmal deutlich mehr gewesen sein. Den öffentlichen Zahlen nach, waren es im Jahr 2008 angeblich 192.000 Menschen. Legt man diese Zahlen nun zu Grunde und vergleicht sie mit den verkauften Tickets, dann muss man feststellen, dass dort eine große Diskrepanz auftritt. In beiden Jahren, also sowohl 2008, als auch 2009, wurden nur ungefähr 37.000 Tickets an Besucher verkauft. Damit entstehen Abweichungen von über 150.000 Besuchern im Vergleich zu verkauften Karten. Ähnlich sieht der Sachverhalt aus, wenn man die Zahlen des legendären 24- h Rennen auf dem Nürburgring zu Grunde legt. Auch hier ging man in den Jahren 2008 und 2009 deutlich von weit über 200.000 Besuchern aus. Dennoch wurden lediglich in beiden Jahren weniger als 50.000 Eintrittskarten verkauft. Das entspricht nicht einmal einem Prozentsatz von 25 Prozent.
Ganz deutlich wird das Prinzip, wenn man die absoluten Zahlen aus dem Jahr 2007 heranzieht. Damals sprach man von über 1,6 Millionen Menschen, die die Veranstaltungen auf dem Nürburgring besucht haben. Dennoch wurden nur 220.000 Tickets verkauft. Das entspricht gerade einmal einem Wert von ungefähr 13 Prozent.
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob diese Beschönigung bewusst betrieben wurde oder ob die Besucherzahlen des Nürburgrings in der Eifel vielleicht von denselben Mathematikern zusammengerechnet wurden, die sich zuletzt um den kleinen Betrag von 55 Milliarden Euro bei einer gewissen Bank verrechnet haben.
Aber mal abgesehen davon, es ist eine Schande, in welchem Ausmaß man eine Rennstrecke in Misskredit bringen kann. Die Politik sollte vielleicht in näherer Zukunft zusammen mit den Investoren darüber nachdenken, wie das Image des Nürburgrings wieder so hergestellt werden kann, das es dieser traditionsreichen Heimstätte für den Motorsport gerecht wird. Mit einem halbherzigen Freizeitpark, dessen Highlight seit Jahren nicht einsetzbar ist, wird dies allerdings schwierig. Auch der relativ neu errichtete Kletterwald macht nicht den Eindruck, als könnte er zum Besuchermagneten werden. Es sei allen Beteiligten an dieser Stelle dringend ans Herz gelegt, dass man ohne erkennbares Konzept nur schwer einen profitablen Nürburgring auf die Beine stellen kann.

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