Am 30.01. war es wieder einmal so weit. Auf dem Trierer Bahnhofsvorplatz herrschte ein reges Durcheinander; Busse und umsteigende Fahrgäste fanden sich zwischen Polizeibarrikaden, Plakaten mit Aufschriften wie „Trier für alle“ und einem kleinen Pulk von Vertretern der NPD Trier. Letztere hingen an den Lippen von Safet Babic, dem Vorsitzenden des NPD-Kreisverbands, welcher an jenem Abend mit altbekannter Wut in ein Megafon hineintobte. Es ging um die Asylfrage, um die Ereignisse der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und natürlich um Ressentiments und Angstgefühle. Zwar stehen bei solchen Ereignissen meist ca. 15 Anhänger Babics gegen eine Schar von 100 Gegendemonstranten, doch gelangt die beschauliche Stadt aufgrund der dortigen Parteiaktivitäten langsam zu äußerst fragwürdiger Berühmtheit.

Safet Babic und seine Mannen – Witzfiguren oder Wahlsieger?

Vor allem Safet Babic, der Vorsitzende und Pressesprecher der NPD Trier, schaffte es in jüngster Vergangenheit ständig in die Medien. Zuerst gab es diesen Aufruf zu einem Fackelmarsch gegen ein geplantes Asylheim, der zu einer unfreiwilligen Comedy-Nummer ausartete. Als solche wurde das Appell-Video abertausende Male verlacht, verhöhnt und parodiert (siehe Video). In ihm stehen vier verloren wirkende Gestalten vor einer heruntergekommenen Mauer und versuchen verzweifelt, irgendwie respekteinflößend zu wirken. Jenes Vorhaben missglückt aufgrund der stümperhaften Ausführung vollkommen. Die vier abgenutzten Darsteller machen sich selbst zu Parodien von Verfechtern rechten Gedankenguts. Doch auch wenn alles an dem „legendären“ Video äußerst dilettantisch gemacht ist; die Kameraführung, die Texte, das Agieren; es handelt sich dabei trotzdem um rechte Stimmungsmache, die deutschlandweit über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde. „444“, oder die aus dem rechten Jargon decodierte Version: „Deutschland den Deutschen!“, tönt dort der Wahlspruch. Aller Voraussicht nach fand dieser, neben all den Lachern, auch Gehör.

NPD Aufmärsche sind auch in Trier meist in einem ungleichen Kräfteverhältnis: ca 15 NPD-Anhänger gegen 100 Gegendemonstranten

NPD Aufmärsche sind auch in Trier meist in einem ungleichen Kräfteverhältnis: ca 15 NPD-Anhänger gegen 100 Gegendemonstranten

Obendrein gab es unlängst diesen „Dönerskandal“. Ein Foto war zum Vorschein gekommen, das den recht korpulenten Trierer Parteivorstand zeigt, wie dieser sich in das Nachwürzen eines Dönerrestes vertieft. Die Diskrepanz zwischen der gepredigten Beklommenheit beim Gedanken an eine mögliche „Überfremdung“ und der Praxis, selbst von „überfremdenden Elementen“ Gebrauch zu machen, um sich den Bauch vollzuschlagen, wird hier unübersehbar. Babic schien das multikulturelle Fastfood vorzüglich zu munden. In der Tat ist Babic dennoch nicht nur in Trier prominent, sondern landesweit ein angesehener NPD-Vertreter, dessen innerparteilichen Stand sogar Konflikte in den eigenen Reihen nicht gefährden können. Jene waren aufgrund einer anderen offensichtlichen Unvereinbarkeit, derjenigen, dass Babic massiv gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wettert, zugleich aber selbst Migrationshintergrund hat, aufgeflammt. Jedoch, so hob der Bundesgeschäftsführer der jungen Nationaldemokraten hervor, Babic sei „viel mehr Deutscher als einige von uns“.

Entgleisungen und Inkonsequenzen solcher Art haben einen enormen Nachhall. Die Facebook-Seite „Deutscher Comedypreis für die NPD Trier“ hat mittlerweile weit über 1000 likes, das besagte Video wurde mehrere hunderttausende Male gesehen und es gibt unzählige Persiflagen auf Babic und seine NPD Getreuen. An dieser Stelle soll nur diejenige des „Neo Magazins Royale“ eigens hervorgehoben werden, da sich in dieser sogar der deutsche Fernsehpreisträger Jan Böhmermann die Ehre gibt. Selbst Politiker fühlten sich unlängst veranlasst, das absurde, politikferne Gebaren dieser Partei zu verhöhnen. Beispielsweise machte Max Bauer, ein Duisburger SPD-Politiker, einen Brief Publik, den er an die Mitwirkenden des unbeabsichtigt komischen Videos versendet hatte. In diesem heißt es: „Da mich das Schicksal der 4 Laiendarsteller in ihrem Blockbuster gefesselt hat, möchte ich diesen armen Menschen helfen“. Daher schickte er ihnen vier Kondome.

Das Gefahrenpotenzial der NPD Trier

Wiewohl also eindeutig Gründe da wären, die Trierer NPDler zu Trierer Hofnarren herunterzustufen, so sprechen die Fakten doch eine ganz andere Sprache. Im Laufe seiner Wirkungszeit als rechtsradikaler Funktionär hat Safet Babic, der selbsternannte „europäische Befreiungsnationalist bosnischer Herkunft“, es bereits auf die Listen der Bundestags- und Europawahlen und in dem kleinen Moselstädtchen Trier sogar bis ins Studierendenparlament und in den Stadtrat geschafft. Seitdem er von Letzterem im Jahre 2011 aufgrund einer strafrechtlichen Verurteilung ausgeschlossen wurde, erhöht er nun beständig die Zahl hetzerischer Parteiversammlungen an strategisch wichtigen Plätzen der Stadt. Unablässig trudeln hierzu Rechtsradikale aus ganz Deutschland in Trier ein.

Darüber hinaus darf nicht missachtet werden, dass Babic einen Verknüpfungspunkt zwischen der NPD Trier und weitaus militanteren Gruppierungen von Neonazis darstellt. Hierzu zählt insbesondere das „Aktionsbüro Mittelrhein“, welches als „kriminelle Vereinigung“ klassifiziert wurde. Bis zu deren Verbot im Jahre 2011 war Babic darüber hinaus bei der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ engagiert, die laut Bundestag u.a. propagierte, dass „Volksverhetzung mit rechtsextremistischem Hintergrund nicht strafwürdig“ und deren Ahndung „Ausdruck nicht zu rechtfertigender staatlicher Unterdrückung“ sei.

Oberflächlich betrachtet stehen die Mitglieder der NPD Trier wie unkoordinierte und unprofessionelle Krawallmacher da, doch geht von der Lokalgruppe tatsächlich ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial aus. Wenngleich sie momentan nur mit skurrilen Aktionen in Verbindung gebracht wird, so könnte sie sich doch jederzeit zu bedrohlichen Akten hinreißen lassen und dann könnte sich die Binsenweisheit „There is no such thing as bad publicity“ bewahrheiten. Desto wichtiger sind all die langmütigen Trierer, die diese Bedrohung niemals vergessen und Monat für Monat als Gegendemonstranten auftreten.

Das gerade aktuelle Verbotsverfahren könnte neuen Schung in die Diskussion bringen. Triers NPD Vorstand hat sich dazu bisher nicht geäßert.

Bildquelle: wikipedia.org Creative-Commons-Lizenz-3.0 by Christian Horvat

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