Die Seile der Kabinenbahn werden gekappt

Die Kabinenbahn wird am heutigen Sonntag ihre ersten substantiellen“Verluste“ einstecken müssen. Heute werden spezialisierte Fachkräfte damit beginnen, die schweren, fast 400 Meter langen Trag- und Zugseile der Kabinenbahn Trier abzukappen. Damit beginnen am heutigen Sonntag die Abrissarbeiten an einem Projekt, das vor 44 Jahren mit hohen Ambitionen gestartet ist. Der Abriss der Kabinenbahn soll auch noch einmal Anlass sein, zurückzuschauen. Wenn man sich die Geschichte der ehemaligen Touristenattraktion betrachtet, muss man unweigerlich feststellen, dass sie zu weiten Teilen aus nicht erfüllten Erwartungen und großen Enttäuschungen besteht. Nach langen Vorbereitungszeiten und vielen nervenaufreibenden Diskussionen, konnte die Kabinenbahn am 5. August 1967 erstmals ihren Dienst aufnehmen. Zwei Gondeln wurden mit Hilfe von 400 Meter langen Trag- und Zugseilen über die Mosel gezogen. Auf diese Weise war es möglich, vom Moselufer Zurlauben zur Bergstation Weißhaus zu gelangen. Die Befürworter der Kabinenbahn waren sich einig. Dies wird ein Projekt, dass neue Maßstäbe für Touristenattraktionen setzen wird. Die Kabinenbahn in Trier war zu dieser Zeit auch wirklich außergewöhnlich. Es gab kaum Seilbahnen zu bestaunen, die über einen Fluss gespannt waren. Zudem war die Aussicht, die man während der Fahrt über die Mosel genießen konnte, atemberaubend. Natürlich gab es auch am Anfang viele Hürden für die Kabinenbahn in Trier zu nehmen. Gegner des Projekts hatten von Anfang an gemahnt, dass die Montage der Seilbahn zu einer Verschlechterung der Natur und des Stadtbildes führen könnte. Dennoch setzten sich letztlich die Befürworter durch, die immer wieder in visionärer Art und Weise auf die Möglichkeiten hinwiesen, die eine solche Kabinenbahn für die Stadt Trier brächte. Der 5. August 1967 wurde ein wahrer Feiertag. Die Reden, die anlässlich der Eröffnung der Kabinenbahn gehalten wurden, übertrafen sich immer wieder aufs Neue dank wohl formulierter Vorschusslorbeeren. Egal ob Bürgermeister, Weinkönigin oder Architekt, alle sahen sich am Ziel ihrer Planungen und glaubten an eine langzeitige, erfolgreiche Zukunft der Kabinenbahn Trier. Dabei standen die Vorzeichen nicht uneingeschränkt gut.

Der langsame Verfall der Kabinenbahn Trier

Nachdem die bereits erwähnten Diskussionen über die Kabinenbahn Trier beendet waren, stand fest, dass eine solche Attraktion gebaut werden soll. Errichtet wurde die Seilbahn übrigens auf städtischen Grundstücken. Allerdings fiel schon der erste Eröffnungstermin ins Wasser, denn die italiensiche Firma, die die Gondeln liefern sollte, war in Verzug geraten. Ursprünglich planten alle Beteiligten, die Kabinenbahn Trier am 29. Juli einzuweihen. Dieser Termin verschob sich dann auf den 5. August 1967. Wie oben bereits beschrieben war dieser 5. August ein Festtag für Trier und seine Bewohner. Viele Menschen strömten an das Zurlaubener Moselufer, um mit der Kabinenbahn kostenlos zu fahren. Beinahe alle Menschen berichteten von einer sehr interessanten Fahrt über die Mosel. Alle schienen sie von der Kabinenbahn überzeugt.
Dennoch stellte sich heraus, dass die Kabinenbahn Trier zu keiner Zeit profitabel zu betreiben war. So entschloss man sich dazu, 1968 einen Gastronomiebetrieb an der Talstation einzurichten. Aber auch dieser konnte die Verluste nicht kompensieren. Die Seilbahn war von Anfang an ein Verlustgeschäft, das nur mit großen Investitionen am Leben gehalten werden konnte. 1977 übernahmen die Unternehmer Otto und Elsbeth Schwab die Kabinenbahn Trier, die dann in den Besitz ihres Sohnes Peter Schwab übergehen sollte. Über all die Jahre vegetierte die Seilbahn am Moselufer vor sich hin. Peter Schwab musste immer wieder große Summen in die angebliche Tourismusattraktion hineinpumpen. Schließlich kam es im Jahre 2000 zu dem Ereignis, das zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon längst überfällig gewesen wäre: die Schließung der Kabinenbahn in Trier. Es sollte allerdings nicht das letzte Mal sein, dass diese gescheiterte Attraktion in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerät. 2004 versuchte Peter Schwab, nachdem er vergeblich nach einem Käufer gesucht hatte, erneut die Kabinenbahn ins Leben zu rufen. Das Resultat war der Tod eines Arbeiters, der 6 Meter in die Tiefe gestürzt war. Die Umstände sind bis heute nicht geklärt. Seitdem ist das Schicksal der einst so gefeierten Kabinenbahn in Trier besiegelt. Seit 2010 sind die Grundstücke wieder fest in städtischer Hand. Peter Schwab wurde aufgefordert, die Seilbahn abzureißen. Dieser Vorgang wird am heutigen Sonntag seinen Anfang finden, wenn die 400 Meter langen Seile durchgekappt werden.

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