Die Nachricht traf die meisten Basketballfans in Trier völlig unerwartet. Am 19. März 2015 wurde bekannt, dass die Treveri Basketball AG zahlungsunfähig ist. Einen Tag später wurde auch offiziell Insolvenz angemeldet. Zuvor waren die Zahlungsschwierigkeiten lange nur Insidern bekannt gewesen, obwohl die Spieler und Mitarbeiter bereits seit Januar kein Gehalt mehr erhalten hatten. Doch nach außen hin konnte die Fassade des seriös wirtschaftenden Unternehmens noch erstaunlich lange aufrecht erhalten werden. Zwar waren die Trierer Basketballer bereits zu Anfang des Jahrtausends einmal in die Insolvenz gerutscht, doch zuletzt verfolgte man ein deutschlandweit einzigartiges Konzept, dass für Außenstehende erfolgreich zu verlaufen schien.

Gladiators Trier

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Das Motto: „Ausbilden statt kaufen“

Denn an den meisten Standorten wird der Spielbetrieb entweder durch einen eingetragenen Verein oder eine GmbH organisiert. In Trier hingegen setzte man seit 2010 auf eine Aktiengesellschaft. Dies geschah, um die Finanzierung des Spielbetriebs auf eine breitere Basis zu stellen. So konnten nicht nur Unternehmen, sondern auch Fans Anteile erwerben. Parallel dazu wurde auch eine sportliche Neuausrichtung in Angriff genommen. Unter Trainer Henrik Rödl wurde das Motto „ausbilden statt kaufen“ verfolgt. So wurden unter anderem die späteren Nationalspieler Philip Zwiener und Andreas Seiferth als junge Spieler nach Trier gelockt und erhielten dort jede Menge Spielzeit. Im Idealfall zahlten sie dieses Vertrauen dann mit guten Leistungen zurück.

Die Gründe für die Insolvenz der TBB Trier

Sportlich befand sich die TBB Trier auch in der Saison 2014/15 auf einem guten Weg, um den Klassenerhalt zu sichern. Doch die finanzielle Schieflage änderte die Situation schlagartig. Wie es zu dieser kommen konnte, ist bis heute nicht ganz geklärt worden. Sicher sind allerdings zwei Dinge:

  • Die AG verfügte nur über eine rudimentäre Buchhaltung. So wurden die Kosten für eine Versicherung des Centers Maik Zirbes weiter bezahlt, obwohl dieser längst nach Bamberg verkauft worden war.
  • Finanzielle Lücken wurden zudem immer wieder durch Privatpersonen gestopft. Die Hoffnungen, die mit der Gründung der AG verbunden gewesen waren, erfüllten sich also nicht.

Eine neue UG ersetzte die alte AG

Aufgrund der Insolvenz und mangelhafter Informationspolitik gegenüber der Basketball Bundesliga wurden der Mannschaft schließlich insgesamt sechs Punkte abgezogen. Da mit Vitalis Chikoko auch ein Schlüsselspieler den zahlungsunfähigen Verein verließ, wurde der Klassenerhalt schnell zur Illusion. Stattdessen rückte die Frage in den Vordergrund, wie es in Trier weiter gehen sollte. Eins war dabei klar: Die Treveri Basketball AG war nicht mehr zu retten und würde auch in der zweiten Liga keine Lizenz erhalten. In Trier entschied man sich daher zu einem radikalen Schnitt: Es wurde die Trierer Ballsportbewegung UG gegründet, die sich stattdessen um eine Lizenz in der sogenannten Pro A bewarb.

Den Gladiators Trier gelang ein Neuanfang ohne Schulden

Dort mussten die neuen Gesellschafter aber erst einmal ordentlich Überzeugungsarbeit leisten. Denn zumindest moralisch besaß die angestrebte Lösung ein ziemliches Geschmäckle. Die Schulden der alten AG wurden nämlich keineswegs übernommen, sondern mit in die Insolvenz geschickt. So konnte die neue UG ohne Schulden starten, dafür blieben aber viele Gläubiger auf ihren Forderungen sitzen. Letztlich fand sich eine knappe Mehrheit von zehn zustimmenden Vereinen in der Pro A, so dass dort seitdem die Gladiators Trier an den Start gehen können. Diese spielen auch weiterhin in der Arena Trier, ansonsten wurde der Spielbetrieb aber komplett neu organisiert.

Sportliche und wirtschaftliche Neuaufstellung

So haben der ehemalige Vorstand Sascha Beitzel und der alte Geschäftsführer Sebastian Merten mit der neuen Spielbetriebsgesellschaft nichts mehr zu tun. Stattdessen wurde ein neuer Manager von außen hinzu geholt: Michael Lang kam vom TV-Sender Sport 1. Lang konnte dann immerhin einen Etat von 1,4 Millionen Euro auf die Beine stellen. Trainer Henrik Rödl war damit allerdings nicht zu halten. Stattdessen wurde der Niederländer Marco van den Berg verpflichtet. Dieser sollte gemeinsam mit dem sportlichen Leiter Frank Baum eine neue Mannschaft zusammenstellen. Das Ziel dabei: Oben mitspielen und weiterhin deutsche Spieler entwickeln.

Achillesferse Finanzen

Deswegen wurden unter anderem Aufbauspieler Simon Schmitz und Center Justin Raffington verpflichtet. Beide konnten aufgrund von Verletzungen allerdings lange Zeit nicht mitwirken. Auch für den Rest des Team lief es nicht so gut wie erhofft. Aktuell würde Trier die Playoffs der ersten acht Teams verpassen. Ende 2015 wurde daher Aufbauspieler Kwadzo Ahelegbe nachverpflichtet. Dabei zeigte sich allerdings, dass auch die Gladiators Trier finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Denn das Gehalt des neuen Spielers musste von externen Geldgebern finanziert werden, um den noch nicht komplett gedeckten Etat nicht noch weiter zu belasten. Außerdem erhielt der Spieler zunächst nur einen Vertrag für einen Monat.

Bei den Zuschauerzahlen in den Top 5

Bei den Zuschauerzahlen hingegen konnten sich die Gladiators Trier immerhin in der Spitzengruppe der zweiten Liga platzieren. Mit einem Schnitt von 1.782 liegt man dort ligaintern auf dem fünften Platz. An die Zahlen aus Bundesligazeiten reicht dies aber natürlich bei weitem noch nicht heran. Damals kamen zu den Spielen gegen die großen Namen des deutschen Basketballs wie Alba Berlin oder Bayern München bis zu 6.000 Zuschauer. Die überraschende Insolvenz und der daraus resultierende Abstieg haben hier aber für einen Einbruch gesorgt. Dieser kann nur durch konstante und ehrliche Arbeit überwunden werden. Hoffnung macht dabei der Blick auf zwei andere Vereine: Auch die Gießen 46ers und die BG Göttingen mussten einst nach einer Insolvenz den bitteren Gang in Liga Zwei antreten. Beiden Teams ist inzwischen aber die Rückkehr ins Oberhaus gelungen.
Bildquelle: wikimedia, CC BY-SA 4.0 by Presse Gladiators Trier

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