Eintracht Trier vs Borussia Dortmund

Der DFB-Pokal und seine Lostrommel sind immer wieder für interessante Aufeinandertreffen verantwortlich. Eintracht Trier (Regionalliga Südwest) gegen Borussia Dortmund (Vizemeister, DFB-Pokalfinalist, Europa-League Viertelfinalist). Was auf dem Papier nach einer eindeutigen Angelegenheit aussieht, ändert sich auf dem Platz oft in eine niemals geahnte Richtung. Doch hat die Eintracht eine reelle Chance den BVB schon in der 1. Runde aus dem Wettbewerb zu kicken?

Eine Momentaufnahme

Nach einer überragenden Hinrunde, die mit Platz eins beendet wurde, ging Eintracht Trier im Endspurt der letzten Saison etwas die Puste aus. Sie verpassten, aufgrund einer Serie von vier Niederlagen in Folge kurz vor Schluss, die Aufstiegsrunde zur 3. Liga und landeten auf Platz fünf.
Doch mit einem 2:2 in einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Köln und dem darauffolgenden 5:1 Sieg im Finale des Rheinlandpokals gegen die SG Hoher Westerwald, konnte die Saison erfolgreich abgeschlossen werden. Durch den Sieg im Pokal stehen die Trierer in der 1. Runde des DFB-Pokals und können mit dessen Finanzspritze ihren ambitionierten Kader weiter verstärken. Diese Spritze dürfte mit dem Gegner Borussia Dortmund nicht gerade gering ausfallen.
14 Spieler haben Eintracht Trier aus unterschiedlichen Beweggründen zum Saisonende verlassen. Darunter auch der 34 jährige Torge Hollmann. Insgesamt sechs Jahre hat er an der Mosel gekickt und sich zum absoluten Publikumsliebling entwickelt.
Aber Eintracht Trier hat bereits früh mit der Vorbereitung auf die neue Saison begonnen und scheint gut aufgestellt. Neben sehr jungen Talenten wie Lukas Achterberg, welcher sich bereits als Stammspieler in der U19 bei Schalke und Paderborn empfohlen hat, wird der Kader punktuell mit erfahrenen Leuten verstärkt. So konnte mit Michael Blum (u.a. Karlsruher SC und Hansa Rostock), Sebastian Szimayer (Rot-Weiß Erfurt) und Lukas Billick (Würzburger Kickers) reichlich 2. und 3. Liga Erfahrung an Land gezogen werden.

 

Ein Rückblick

Schaut man in diverse Fußballarchive, findet man genau eine relevante Partie. Ein Aufeinandertreffen, das wohl bei vielen Fußballfans noch im Hinterkopf geparkt ist. Es ist der 28.10.1997. Nachdem Eintracht Trier in der Saison 1997/98 als Regionalligist bereits Unterhaching und den FC Schalke 04, damals UEFA-Cup Sieger, aus dem DFB-Pokal geworfen hatte, wartete mit dem frischgebackenen Weltpokal und Champions-League Sieger Borussia Dortmund das nächste unmöglich erscheinende Los.

Der BVB hätte eigentlich schon mit dem Ausscheiden der Schalker einen dicken Warnschuss wahrnehmen müssen. Aber, wie das bei engsten Rivalen so ist, kann man diese natürlich nicht ernst nehmen. Gegen die, im Laufe des Wettbewerbs, immer breiter werdende Brust der Eintracht, konnte selbst Weltmeister Jürgen Kohler mit seinem Tor nichts mehr ausrichten. Eintracht Trier gewann völlig unerwartet aber verdient mit 2:1 durch Tore von Rudi Thömmes und Marek Czakon.
Nicht nur St. Pauli ist Weltpokalsiegerbesieger, auch Trier kann sich diesen Slogan auf Fahnen, Tassen und T-Shirts drucken. Erst im Halbfinale des DFB-Pokals 1997/98 war für Eintracht Trier gegen den MSV Duisburg Schluss. Einer der größten Erfolge des Teams aus der ältesten Stadt Deutschlands wurde in Stein gemeißelt.

Stimmung im Stadion: Bei dieser Topmannschaft dürfte wohl auch der Fanblock etwas größer ausfallen

Stimmung im Stadion: Bei dieser Topmannschaft dürfte wohl auch der Fanblock etwas größer ausfallen

Ein Spiel

Knapp 20 Jahre später kommt es nun erneut zu einem Aufeinandertreffen der beiden Teams. Doch wie stehen die Chancen der Eintracht? Kann das Team erneut überraschen?

Dazu ist auch eine Standortbestimmung der Dortmunder nötig. Der BVB scheint aktuell in einem Kader Umbruch zu stecken. Wichtige Stützpfeiler wie Hummels und Gündogan haben sich Bayern München und Manchester City angeschlossen, die Lage von Mkhitaryan ist weiter unklar. Verhandlungen mit Manchester United sind im Gespräch. Es wird wohl nur eine Frage der Ablöse werden.

Wie sich die Neuzugängen Bartra, Rode, Malanga und Guerreiro integrieren ist noch nicht abzusehen, doch ist davon auszugehen, dass Thomas Tuchel eine genaue Vorstellung davon hat.
Hinzu kommt, dass die Borussia sich in den letzten Jahren des DFB-Pokals kaum Aussetzer leistete und stets fokussiert agierte. Auch bei vermeintlich viel schwächeren Teams. Sicher wird sich der BVB nicht ein zweites mal von den Trierern blamieren lassen wollen. Doch reicht ein knapp 20 Jahre alter Warnschuss?

Die Chancen für Trier

Sie werden gewinnen wollen. Sie werden 100% über ihrem Potential spielen und selbst dann noch mal einen Gang zulegen, wenn alle Muskeln schon schreien. Schreien wird sicher auch das Moselstadion. Genauer gesagt die knapp 11.000 Fans. Das Stadion wird wie eine Sicherheitswand hinter ihrem Team stehen und es weiter zu Höchstleistungen treiben.

 

Trier hingegen kann nur gewinnen. Wenn sie hoch verlieren hat es jeder gewusst. Aber sie werden weder hoch verlieren wollen, noch knapp.

Ein weiterer Vorteil der Trierer könnte die Vorbereitung werden. Während viele Akteure des BVB bei der EM aktiv sind, hat die Saisonvorbeireitung und das Training bei der Eintracht schon lange angefangen. Sie könnten somit die besser abgestimmte Mannschaft sein und sich die eventuellen Unstimmigkeiten der Dortmunder zu nutze machen. Auch ein Einsatz von Marco Reuss ist derzeit unklar und könnte sich weiter auf den Ausgang des Spiels auswirken. Doch sollte sich unter normalen Umständen auch dieser Ausfall auf Seiten des BVB, zumindest bei diesem Klassenunterschied kompensieren lassen.

Eintracht Trier gegen Borussia Dortmund

Eintracht Trier gegen Borussia Dortmund

Für Borussia Dortmund ist es ein Spiel unter vielen. Die erste Runde des DFB-Pokals gegen einen Regionalligisten. Sicher mit Vorsicht zu genießen, da es diese eine Geschichte bereits gegeben hat, aber nicht über zu bewerten. Ihnen werden wahrscheinlich nicht die Knie schlottern, aufgrund einer knapp 20 Jahre alten Blamage. Da warten im Laufe des Jahres größere Highlights. Man wird es einfach schnell hinter sich bringen wollen.

Für Eintracht Trier ist es nicht nur ein Spiel, sondern das Spiel des Jahres.

Sie werden zumindest zeitweise ihre Vorbereitung diesem einen Ereignis widmen, um das Maximum zu erhalten und den BVB ein zweites Mal aus dem Pokal zu werfen. Sensationen wiederholen sich ja bekanntermaßen gerne.

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