"Nein zum Moselaufstieg!"

Seit den 80er Jahren sprechen die Politiker in Rheinland-Pfalz regelmäßig vom Moselaufstieg. Er soll für die Stadt Trier wahre Wunder bewirken. Trotzdem hat das geplante Bauprojekt in der Stadt selbst und im Umland jede Menge Gegner. „Moselaufstieg – Nein, danke!“, sind Schilder, die man seit Jahren immer wieder am Straßenrand in der Nähe von Trier und an der Mosel entdecken kann.

Mehr Lebensqualität für Trier?

Das Moseltal gehört zu den schönsten Flusstälern Deutschlands – und vielleicht sogar zu den schönsten der Welt. Aber das Tal wirkt verkehrstechnisch wie ein Flaschenhals, durch das sich PKWs und LKWs auf ihrem Weg zwischen Nord und Süd durchzwängen müssen. An einigen Stellen hat man den Flaschenhals mit Brücken und Umgehungsstraßen entlasten können. Das Moseltal ist an mehreren Orten mit Hochbrücken und Autobahnbrücken überquert. Aber gerade bei der Großstadt Trier gibt es seit vielen Jahren einen Engpass, da hier die aus Saarbrücken kommende B51 mit der in den Norden führenden Autobahn A64 zusammenläuft. Die Straßen sind wichtig für Pendler, die zwischen den Städten südlich von Trier und Luxembourg pendeln. Da das Benzin in Luxembourg um einiges billiger als in Deutschland ist, fahren viele Anwohner aus den Ortschaften südlich von Trier – genau wie die Trierer selbst – sogar sehr häufig in das nahe Luxembourg. Sie müssen dafür durch die Stadt fahren, um die Autobahn von Luxembourg zu erreichen.

So staut es sich regelmäßig in der Trierer Innenstadt. Die alte Römerstadt kämpft mit unzähligen Autos, Verkehrslärm und einer unsauberen Luft und könnte – ohne all diese Pendler – ihr historisches Ambiente in ein wesentlich positiveres Licht rücken.

Deshalb plant man bereits seit den 80er Jahren zwischen Igel und Trier-Zewen in der Höhe des Ortes Konz eine neue Brücke und eine neue Verbindungsstraße: Den Moselaufstieg. Die neue Trasse würde den Verkehr um Trier herumleiten und die Innenstadt von Trier entlasten. Die Baukosten sollen sich auf schätzungsweise 60 Millionen Euro belaufen. Untersuchungen der Ingenieurgruppe IVV Aachen haben gezeigt, dass Trier mit der neuen Straße immerhin 22.000 Autos weniger pro Tag verkraften müsste. Für die Stadt Trier würde diese Umgehung also unbestritten eine Erhöhung der Lebensqualität bedeuten.

Zahlreiche Gegenargumente

Der Moselaufstieg würde in der Nähe von Konz entstehen, einem beschaulichen Örtchen. Es hat zwar bereits heute einen wichtigen Bahnhof und ist durchaus an starken Verkehr gewöhnt. Aber es ist vor allem für seinen Wein, für seine netten Restaurants und für sein uraltes Kloster bekannt. Eine Autobahn-Hochbrücke würde dieses Idyll nachhaltig zerstören. Aber auch die Anwohner von Trier-Zewen und Igel – jenen beiden Orten, die durch die neue Trasse miteinander verbunden werden sollen – sind entsetzt bei dem Gedanken, eine breite Schnellstraße in ihr Gemeindegebiet zu bekommen. Trier-Zewen liegt etwas abseits von der Mosel, es gibt einen kleinen Bach und ein Mühlental. Hier herrscht vor allem Ruhe und Gelassenheit. Auch in Igel bei Trier kann man auf die zahlreichen durchfahrenden Autos gerne verzichten. Der Fluss Saar mündet in der Nähe in die Mosel, die Landschaft ist von idyllischen Weinbergen und kleinen Häuschen geprägt.

Die Landschaften um Trier sind bekannt für ihre Biotope und für ihr eigenständiges Bild, in dem sich Kulturlandschaften wie Weinberge neben ursprünglichen Wäldern und Felsen aneinanderreihen. Naturschutzverbände protestieren seit Jahren gegen alle Pläne, und auch Lokalpolitiker von den Grünen und der SPD engagieren sich gegen den Bau der neuen Trasse. Allerdings schwankten in den vergangenen Jahrzehnten die Politiker durchaus mal in diese, mal in jene Richtung. 2010 sprach sich der damalige rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering von der SPD beispielsweise für das Bauprojekt aus. Sein Nachfolger – ebenfalls von der SPD – meinte, es wäre besser, darauf zu verzichten.

Die Anhänger des Moselaufstiegs geben sich generell eher zurückhaltend. Die meisten von ihnen leben nicht in Trier, sie sind Pendler und würden von der schnelleren Verbindung profitieren. Logischerweise beteiligen sie sich jedoch nicht an der Lokal-Politik. Aber auch im Trierer Rathaus üben sich die Anhänger erstaunlicherweise in erster Linie in Zurückhaltung.

"Nein zum Moselaufstieg!"

„Nein zum Moselaufstieg!“

Der Moselaufstieg – kommt er oder kommt er nicht?

Im Trierer Rathaus ist man sich seit Jahren vor allem in dem Punkt einig, dass man sich nicht einigen kann. Alle scheinen sich zumindest darüber im Klaren zu sein, dass die Innenstadt verkehrstechnisch entlastet werden muss. Nur über das „Wie“ konnte man sich bisher nicht verständigen. So werden seit langem immer wieder Alternativen zum Moselaufstieg vorgeschlagen und anschließend gründlich diskutiert und überprüft. Der öffentliche Nahverkehr soll verbessert werden, alte Straßen wie die West-Trasse von Trier ausgebaut und erneuert werden. Sogar Radwege sollen helfen, das Verkehrschaos in der Trierer Innenstadt abzuschaffen. Eine gezielte Durchführung eines realistischen Alternativplans konnte man im Rathaus bisher jedoch nicht vereinbaren.

Ein Hauptargument der Gegner lautet, dass selbst der Moselaufstieg keine Lösung für die vielen Tanktouristen bringen würde. Sie würden weiterhin quer durch die Stadt fahren und keinen Umweg über eine Moselquerung nehmen, um nach Luxembourg zu kommen.

Erstaunlicherweise hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Pläne für den Moselaufstieg nun als „dringlich“ eingestuft. Die Baupläne wurden offiziell Teil des Bundesverkehrswegeplans und stehen damit auf der Prioritätenliste. Diese Entwicklung ist deshalb erstaunlich, weil das Land Rheinland-Pfalz diese Einstufung gar nicht beantragt hatte.

Allerdings bedeutet das noch lange nicht, dass der Moselaufstieg nun auch wirklich gebaut wird. Trotz der Dringlichkeitseinstufung muss alles noch genau geplant werden. Es müssen zahlreiche juristische und baurechtliche Probleme gelöst werden, bevor die endgültige Baugenehmigung erteilt wird. Der Moselaufstieg wird also kommen. Vielleicht. Irgendwann. Oder auch nicht. Es kann aber auch sein, dass die Benzinpreise in Luxembourg steigen. Dann löst sich das Problem wie von selbst.

 

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