Belgisches Atomkraftwerk macht weiter Sorgen

Neue Meldungen aus dem Atomkraftwerk Tihange im belgischen Huy haben in der Verbandsgemeinde Prüm wieder für Unruhe gesorgt. Das Atomkraftwerk liegt nur ungefähr 80 Kilometer Luftlinie von der Ortschaft entfernt. Bei einer Katastrophe in Tihange wäre Prüm aller Voraussicht nach direkt betroffen. Vor allem die SPD macht mächtig Druck auf die Betreiber des Atomkraftwerks.

Atomkraftwerke an den Grenzen zu Deutschland sorgen immer wieder für Aufregung und Unruhe in der deutschen Bevölkerung. Während an der französischen Grenze immer wieder Cattenom für Stör- und Zwischenfälle zuständig ist, nimmt Tihange diese Rolle an der belgischen Grenze ein. Das Atomkraftwerk Tihange liegt nur wenige Kilometer Luftlinie von der Ortschaft Prüm entfernt. Bei einer Katastrophe in dem Atomkraftwerk wäre auch die kleine deutsche Stadt betroffen. Aus diesem Grund beäugen die kommunalen Politiker, allen voran die Abgeordneten der SPD, die Vorfälle in Tihange sehr genau.

Das 37 Jahre alte Atomkraftwerk in Huy bei Lüttich soll nun doch nicht, wie von der belgischen Regierung angekündigt, 2015 vom Netz genommen werden: Vor wenigen Wochen erfolgte der Beschluss, die Anlage mit drei Reaktoren bis 2025 weiterzubetreiben.  Fast gleichzeitig wurde bekannt, dass seit einigen Jahren aus einem Kühlbecken für Brennelemente radioaktives Wasser austritt, ohne dass man das Leck bisher gefunden habe. Diese Nachricht ist die jüngste in einer Reihe von Pannen, die sich in den letzen Monaten und Jahren in Tihange ereignet haben.

Betreiber und Atomaufsichtsbehörde gelassen

Während die SPD in der Verbandsgemeinde Prüm erschüttert über den Beschluss ist, zeigen sich sowohl die Betreiber von Tihange und die belgische Atomaufsichtsbehörde gelassen. Beide sehen in dem alten Atomkraftwerk keine Bedrohung für die belgische oder die deutsche Bevölkerung.
Die SPD kritisiert vor allem den Umstand, dass die Verbandsgemeinde Prüm anscheinend kein Krisenmanagement bereithält, wenn es in Tihange zu einem Vorfall kommen sollte. Anders sieht das zum Beispiel im Fall Cattenom aus. Erst kürzlich wurde der Evakuierungsradius auf 25 Kilometer erweitert. Solche Vorkehrungen gibt es in Prüm nicht. Sollte es wirkliche zu einem Vorfall in dem belgischen Atomkraftwerk kommen, würden Tabletten an die Bürger ausgegeben werden. Diese sollen verhindern, dass große Mengen an radioaktivem Jod von der Schilddrüse aufgenommen werden. Allerdings ist der Einnahmezeitpunkt bei diesen Tabletten von enormer Bedeutung. Nimmt man die Tabletten zu spät ein, können sie ihre Wirkung nicht richtig entfalten.

Wie bereits berichtet, hätte ein Großunfall im belgischen Kraftwerk mit einem Austreten der radioaktiven Spaltprodukte Caesium 137 und Jod 131 (sie gerieten auch in Fukushima und Tschernobyl in die Umwelt) verheerende Auswirkungen auf die Region: Einer Simulation der Wiener Universität für Bodenkultur zufolge könnten schlimmstenfalls die Nordeifel und der Prümer Raum zum „langfristig unbewohnbaren Gebiet“ werden.

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